Verrückte Wissenschafter 2.0
YouTube hat dem Typus “Verrückter Wissenschafter” eine Frischzellenkur verpasst. Der Bastelfreak von heute wohnt nicht mehr bei Mutti im Keller, er ist extrovertiert und präsentiert sein Kind im Manne vor einem Millionenpublikum. Vom Hobby-Pyromanen bis zum Waffennarr – hier sind ein paar Youtube-Channels, die mich mehr faszinieren als ich gedacht hätte:
Nighthawkinlight
Pyrotechnik und Druckluftgeschosse, mit denen man sich ernsthaft verletzen könnte:
The Slingshot Channel
Jörg Sprave, der deutsche Steinschleuder-Enthusiast präsentiert sein Arsenal aus Holz, Stahl und Gummi:
FPSRussia
Ich bin mir immernoch nicht sicher, ob das nicht alles ein Fake ist und von einem Waffenhersteller gesponsort wird… aber was solls. Waffen und Explosionen, was will man mehr:
Doch halt, das Web gibt natürlich noch ganz anderen Wissenschaftlern eine Plattform. Die Macher hinter den folgenden Channels schaffen es, Wissenschaft für eine Generation spannend zu machen, deren Aufmerksamkeitsspanne die Länge einer SMS nicht mehr überschreitet. Ich finde, diese Videos erreichen mehr als ein Jahrzehnt “Mediengestalter” mit ihren Lern-CD-ROMs…
Minute Physics
Häppchenweise Quantentheorie in einer Minute und mit Filzstift:
TED Education
TED, die Konferenz mit den Vorträgen, die tiefgreifend und verständlich zugleich sind, hat sich mit Animatoren zusammengetan. Das Ergebnis sind Wissenschaftshäppchen, die die Neugierde von Schülern und Studenten wecken sollen. Hier ist ein Clip mit Adam Savage (Mythbusters):
NASA
Und zum Schluß etwas Entspannung mit den beeindruckenden Aufnahmen der NASA:
(Aufmerksam gemacht auf die letzten paar Videos hat mich Dropping The Science)
Space Stallions: Mind = Blown
Das ist was für die Fans von Sci-Fi-Zeichentrickserien aus den 80ern und 90ern: Thundercats + Galaxy Rangers + Saber Rider = Space Stallions!
Eine Bachelor-Arbeit vom dänischen Animation Workshop.
Cory Doctorow über den Kampf gegen den PC
Ein hochinteressanter Vortrag von einem Autor, der scheinbar (siehe dieser aktuelle Artikel in der Zeit) eine Koryphäe auf dem Gebiet von Computern, Scifi, Copyright und digitalen Gesellschaftsentwürfen ist – von dem ich aber noch nie etwas gehört habe. Cory Doctorow.
Der Vortrag im Video geht nicht die ganze Stunde, es lohnt sich zuzuhören und mitzudenken. Doktorow benutzt den aktuellen Protest um “Zensurgesetze” wie SOPA oder ACTA um zu zeigen, dass letztendlich der allgemeinnützige Computer (einer, auf dem alles mögliche an Programmen laufen kann) zur Disposition gestellt werden wird – und damit unsere heutige Vorstellung einer freien aber von Informationstechnologie abhängigen Gesellschaft.
Heute geht es um Copyright und Raubkopierer von Filmdateien, morgen um 3D-Drucker, mit denen jedermann funktionierende Waffen ausdrucken könnte. Letztendlich, so Doktorow, werde jede mächtige Interessengemeinschaft tangiert werden und vom Gesetzgeber fordern: “Macht uns einen Computer, der alles kann nur nicht das Programm ausführen das uns stört oder ängstigt”. “Macht uns ein Internet, das alle Informationen übertragen kann, nur nicht diese Information die uns nervt.”
Doktorow fordert, dass bereits jetzt in Bezug auf Copyright-Dispute eine sinnvolle Lösung gefunden wird, die zwei Tatsachen gerecht wird:
- Es wird immer Leute geben, die einem Computer künstlich angelegte “Fußfessel” und Schranken umgehen werden können – mit der Technik von Morgen ist es wahrscheinlich sogar ein Kinderspiel für Jedermann.
- Eine Lösung des Problems darf nicht in einem Kontrollregime enden, dessen Fäden wie uns die Geschichte lehrt letztendlich immer in einer bösartigen Instanz zusammenlaufen.
Die gesuchte Lösung formuliert er leider nicht vor. Er vergleicht lediglich bisherige Regulierungsversuche im Bereich Copyright damit, Banküberfälle zu verhindern, indem man Autoreifen gesetzlich sanktioniert – schließlich war jedes Fluchtauto mit vier davon ausgerüstet.
Dazu passend noch zwei Links:
- Übersicht über die Verschärfungen im amerikanischen Copyright-Gesetz der letzten 30 Jahre – gleichzeitig auch ein Beleg für deren Unwirksamkeit
- Forbes Magazine: Lies, Damned Lies and Piracy. Wenn Piraterie die Unterhaltungsindustrie tatsächlich bedrohen würde, hätte sie schon längst ihr Geschäftsmodell geändert. Doch die Kinokassen klingeln, jedes Jahr werden die Blockbuster aufwändiger und teurer.
Klingelton
Der Ursprung des berühmten/nervigen NOKIA-Klingeltons. Man lernt nie aus…
(bei Sekunde 18)
Am g’schenkten Gaul…
…schaugt ma ned in’s Maul. Aber die bisherigen “Geschenke” von Apple’s iTunes-Weihnachtsaktion wären auch keinen Pfifferling wert. Da lacht sich Steve im Himmel in’s Fäustchen.
- Coldplay Live-Songs, die so schlecht abgemischt sind, dass auch das dazugehörige Video mit einem extrem schweißüberströmten Frontman sofort wieder in die Tonne wandert.
- Die SCHLÜMPFE!?!
- Ein e-book von den Drei Fragezeichen. Ich weiß, alle Hipster Mitte 30 kriegen eine Nostalgie-Latte durch die Stimme von Justus Jonas, aber das hier ist ja nichtmal das Audiobook. Lame.
- Eine B-Side von Tim Bendzko die niemand braucht und das low-budget Musikvideo von seinem bekannten Hit “Nur noch kurz die Welt retten”, das nichts weiter zeigt als die Band mit ner Kamerafahrt drumrum. Boring.
- Ein Rennspiel von Sega mit Sonic. Die Steuerung ist grauenhaft und nach 2 Minuten Spielzeit wechsle ich zurück zu “Jetpack Joyride” und das Geschenk kommt in die Tonne.
- Ein nerviger Techno-Megamix von David Guetta. Wer’s braucht. Ich bin älter als 16, also auch ab in die Tonne damit.
Mal sehen, was uns die nächsten 6 Tage bringen…
Webdesign für iPhone, iPad & Co
Jedes Jahr das selbe, es muss an der Homepage geschraubt werden, und ich erschrecke, wie viel neue Webstandards, -features und -gimmicks sich in den letzten Monaten unbemerkt etabliert haben. Zum Jahresende stand nun an, Pfotenbild (und bald auch comp-fu) auf kleineren Bildschirmen umzuformatieren – die Seiten sind zwar schon flexibel und “fluid” gestaltet, aber bei geringer Bildschirmbreite sind Seitenspalten oder Rahmen einfach nicht das wahre und sie nehmen dem Content zu viel kostbaren Platz weg.
Und so ist es immer das gleiche. Eine kurze google-Anfrage nach “ipad css layout” zieht einen immer tiefer in einen Strudel aus bislang unbekannten style- und meta-tags, Browser-Quirks sowie dutzenden von Bloggern, die jeweils die Wahrheit für sich gepachtet sehen. “Meta:Schlagmichtot” müsste man auf seinen Seiten einfügen! Nein, diese Tags hier sind der holy grail!

Reguläres Layout von pfotenbild.de
Und schwups ist man wieder bei der beliebten Bevormundung des Users. Um pixelgenau das gewünschte Design durchzudrücken wird dann allen ernstes dem Benutzer per HTML-Konstrukt verboten, in eine Seite hinein zu zoomen! Wenn ich jedes Mal einen Webdesigner ohrfeigen dürfte, wenn ich auf meinem mini-iPhone-Bildschirm auf eine Webseite gelange, die sich nicht zoomen lässt sondern auf der ich 5 Pixel große Buttons mit meinem Daumen treffen muss… ich wäre ein ausgeglichenerer Mensch.
Man fühlt sich unweigerlich zurückversetzt in die Netscape- und Internetexplorer-Zeiten, wo man für jeden Mist einen Sonderfall designen musste. “Browserweiche”. Was für ein Horror. Nein, das kann es nicht sein. Es gibt jetzt schon hundert verschiedene Smartphones. Nächstes Jahr bekommt das iPad eine noch höhere Bildschirmauflösung – vielleicht bei kleinerem Bildschirmformat? Wer weiß das schon.
Irgendwelche Sonder-Designs für die heutigen Specs eines iPads zu bauen, das ist nicht nur zeitaufreibend und snobbistisch, sondern auch keinesfalls zukunftstauglich. Die Entwicklerteams der Smartphone-Hersteller machen sich genug Gedanken, wie sie Webcontent intelligent für ihre Geräte schrumpfen können. Davon keinen Profit zu ziehen ist betriebswirtschaftlicher Wahnsinn.
Klar, wer trotz Kundschaft aus der Hölle weiterhin hauptberuflich Webdesign betreibt, muss vielleicht pixelgenau auf jedem obskuren Endgerät erscheinen. Aber für mich reicht es, wenn ein flüssiges CSS-Layout für breite Bildschirme (schon vorhanden) erweitert wird durch ein flüssiges, spaltenloses Design für schmale Bildschirme. Und was ist schmal? Pi mal Schnauze ein iPad hochkant mit 768 Pixeln Breite. Das wird nur durch ein alternatives Stylesheet erreicht, mein Design musste ich nicht umbauen.

pfotenbild.de auf einem mobilen Endgerät. Noch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber mit nur einem Dutzend zusätzlicher CSS-Befehle.
Und so wird’s gemacht:
- <meta name=”viewport” value=”width=device-width” /> sagt dem mobilen Browser, dass ich über schmale Bildschirme nachgedacht habe, und er doch bitte die Seitenbreite auf die Gerätebreite setzen soll. Ohne diesen Tag rendert z.B. das iPhone die Seite bei etwa 900 Pixel Breite und verkleinert sie dann, damit man alles auf einmal sehen kann. Folglich kann man nichts lesen da die Schrift mikroskopisch ist.
- Manchmal wird empfohlen, “initial-scale=1″ zu setzen. Somit wird die Seite nicht skaliert. Das wäre aber gar nicht so verkehrt! Das schmale Design von Pfotenbild z.B. kann nicht schmäler als 516 Pixel sein (oder ich müsste kleinere Fotos verwenden). Auf dem iPhone wird die Seite also für 516 Pixel gerendert und dann leicht skaliert, damit sie die 320 bzw. 640 (iPhone 4) horizontalen Pixel ausfüllt. Automatisch also das, was man will.
- Das Default-Stylesheet wird eingebunden wie gehabt. Es ist ein flüssiges Layout, verlangt aber mindestens 900 Pixel Bildschirmbreite.
- Mittels <style rel=”stylesheet” media=”only screen and (max-width:768px)” … /> binde ich ein alternatives Stylesheet ein, das anspringt, wenn die Seitenbreite kleiner als 768 Pixel (iPad hochkant) ist. Hier werden sämtliche Layout-divs modifiziert, so dass es keine floats mehr gibt und möglichst die volle Breite genutzt wird (width: 100%; left und right: auto; margin: 0).
- Der Clou an der Sache ist, dass man dieses Design auch lokal testen kann, denn moderne Browser springen ebenfalls auf das Alternativ-Stylesheet um, wenn man das Fenster schmal macht. Kein PHP-Code zwingt den User auf eine spezielle Mobile-Seite, die er vielleicht gar nicht will oder die sein Gerät gar nicht braucht. Auch benötigt man keine Tricks oder gar JavaScript, um beim iPad das Design zwischen quer und hochkant umzuschalten. Das geht von alleine.
Hier sind zwei Links zu empfehlenswerten Tutorials für mobile Websites, die mir diesen Weg vorgeschlagen haben:
- “Combining meta viewport and media queries” auf quirksmode.org
- “device-width and how not to hate your users” von Phillip Tellis
Last-Minute Deko

Anleitung:
- Zeit bis zum 24. verbummeln
- Orangen- und Limettenscheiben 2 Stunden bei 100°C trocknen.
- Zimtstange & Nelken
- Heißkleber
- Frohe Weihnachten