Taikan Lu
In einem Irrgarten aus Hinterhöfen und kleinen Gassen abseits der Taikan Lu hat sich ein Künstler- und Galerienviertel etabliert, das einen Besuch wert ist. Es sind viele asiatische und angenehm wenig westliche Touristen unterwegs, die meisten Läden sind leer, und dennoch werde ich von den VerkäuferInnen weder ungefragt beschwatzt noch zum Kauf von Jadestatuen und Rolex-Fakes animiert. Nein, das hier ausgestellte hat durchaus Stil, doch wer weiß ob die “locally designed” Seifenschalen und stylischen Nudelschüsseln und Stäbchen tatsächlich das Geld wert sind, für das sie hier angeboten werden, oder ob es das selbe nicht nächsten Sommer im IKEA-Katalog gibt. Auch scheinen sich zu viele der hier ausstellenden Fotografen auf das Prinzip “Schwarzweiß-Foto mit einem farbigen Blickfang” spezialisiert zu haben.
Es gibt auch zahlreiche kleine Restaurants, die auf westlich getrimmt sind, mit Speisekarten auf Schiefertafeln und Lounge-Atmosphäre. Alles schonmal gesehen. Fast so, als gäbe es irgendwo ein Franchise-Unternehmen, das weltweit die selben Künstlerviertel aufstellt. Und dennoch finde ich es gemütlich hier. Das kann mir auch ein Shorts tragender Tourist nicht vermiesen, der mich beinahe umrempelt, als er wie ein Dampfross um eine Ecke schießt, im Anblick der Lampions seine Spiegelreflex hochreißt und ohne stehen zu bleiben losknipst. Vermutlich lädt er das Bild im selben Moment noch auf flickr hoch, wo es sich zu tausenden dieser Art von Fotos gesellt, die tausende Andere vor ihm bereits an dieser Stelle gemacht haben. (Manche werden das Foto später am Computer entsättigen, und nur die roten Lampions farbig lassen. Dutzende flickr-Kommentatoren werden das dann faszinierend finden. Aber ich schweife ab….
)
Zum Mittagessen kehre ich in der “Kommune” ein, einer Bar/Lounge/Restaurant-Kombination mit nettem dunklen Holzinterieur. Ein junges Volk sitzt mit Macbooks rum und surft im WiFi. Ich bestelle mir das Curry des Tages, das in einer stylischen Nudelschüssel serviert wird. Es schmeckt gut. Ich frage die Kellnerin nach Stäbchen, diese ist irritiert und meint, da müsse sie erst in der Küche fragen.
STOP. Es reicht. Ich komme mir vor wie in einem freundlichen potemkinschen Dorf, einem Disneyland, das man genau für Leute entworfen hat, die solches Ambiente nett finden. Ja, ich gehöre dazu. Aber es verströmt gleichzeitig ein Gefühl von Künstlichkeit in diesem ansonsten so wuselnden, stinkenden, lauten, kontrastreichen Shanghai. Ich biege um ein paar Ecken, und stehe zwischen zwei langen Reihenhäusern, die wie das Künstlerviertel gebaut, jedoch trist weiß verputzt sind. Die paar Menschen dort beachten mich nicht. Ich komme mir vor, als hätte ich das Bühnenbild verlassen und würde nun einen Blick auf die Rückseite einer Kulisse werfen. Ich kehre mit schlechtem Gewissen um, verlasse die Gassen und rufe ein Taxi.
Die Taikan Lu hat durchaus ihren Reiz. Ein bisschen Tollwood-Flair. Aber sie ist letztenendes eben eine Location, die sich genau darauf spezialisiert hat, in jedem Reiseführer erwähnt zu werden, und die sich so asiatisch und westlich zugleich gibt, dass sie uns Touristen gut gefällt. Mir auch. Bis zu einem gewissen Grad eben.
Die dubiose Ecke
Heute ging es mit der gesamten Belegschaft zu “Großmutters Restaurant”, mal wieder traditionell speisen. Ein Drehteller steht auf dem Tisch, und unsere chinesische Office-Dame bestellt einmal quer durch die Speisekarte. Grüne Bohnen in Wasabisoße, Tofu süß-sauer, Curry-Fischsuppe, Erdnüsse in Sojasoße, Fleischscheibchen mit Chilis, und so weiter und so fort. Highlight des Abends: die Ganze Hühnersuppe, die ihrem Namen alle Ehre macht. Ich passe, und die meisten chinesischen Kollegen ebenfalls.
Für den Rückweg zum Hotel möchte ich ein Taxi nehmen, merke dass ich in einer mehrspurigen Einbahnstraße in die falsche Richtung stehe, und entscheide mich für den Fußmarsch durch Seitenstraßen. Die Entscheidung überdenke ich bereits nach ein paar Metern, denn die wenig beleuchtete Seitenstraße erzeugt zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Shanghai ein mulmiges Gefühl in mir. Doch noch gibt es hier genügend kleine Läden, in denen noch Betrieb herrscht. Vor einem Eisenwarenhandel schweissen ein paar Leute an einem Taxi herum.
An der nächsten Kreuzung, einem kleinen Platz, der mit Open-Air-Grills noch richtig belebt ist, müsste ich links ab – doch hier greift nun endgültig mein Fluchtreflex. Die Gasse ist pechschwarz.
Also laufe ich weiter geradeaus, und auch hier bin ich bald alleine unterwegs. Ein Müllhaufen türmt sich an einer Mauer auf. Die Dächer der anliegenden niedrigen Häuser sind voller Gerümpel und Gerüste. In einer Behausung, die man nur als Verschlag bezeichnen kann, läuft ein alter Fernseher, der seinem einzigen Zuschauer das Bild beinahe vollständig durch heftiges Rauschen vorenthält. Ich biege um eine Ecke in die nächste größere Straße, die mich – wenn mich die Orientierung nicht täuscht – wieder eher Richtung Hotel bringen wird.
Hier laufe ich plötzlich neben adretten Mauern, an einem Tor zu irgendeiner Akademie stehen sogar Soldaten Wache. Dennoch sind meine Schritte bestimmter und hastiger. Noch eine weitere Straßenecke, und ich bin wieder in bekanntem Terrain, in der Nähe von Büro und Hotel. Hier sind noch Gemüseläden hell beleuchtet, und Mütter kaufen mit ihrem Kind auf dem Arm um Mitternacht noch Grünzeug ein.
Rückblickend war mein mulmiges Gefühl wohl übertrieben. Zig Taxis kamen mir auf meinem Weg entgegen, und alle Passanten waren eher Pärchen auf dem Heimweg. Ich habe zu viele Filme geguckt, und schon verselbständigen sich die ewig gleichen Bilder von Seitengassen, in denen das Böse lauert… Ich glaube nicht, dass man Grund hat, sich in Shanghai unsicher zu fühlen. Sagt zumindest der Lonely Planet. Und der muss doch Recht haben
Panoramas
Auf einem Weg in die Künstler- und Galerienecke m50 wird mir langsam klar, wie 20 Millionen Einwohner in Shanghai Platz haben…

m50 selbst ist ein ehemaliges Fabrikgelände, auf dem sich mehrere Galerien und Atelies angesiedelt haben. Von traditioneller chinesischer Stickerei über allerhand Skulpturen bis zu Medienkunst ist alles vorhanden. Eintritt: nada. Das Wetter war nochmal perfekt, was dann aber wohl das letzte schöne Wochenende hier gewesen ist. Ab Montag hat der Dauerregen eingesetzt und mit T-Shirts ist es erstmal vorbei.

Lach- und Sachgeschichten
Mirinda und 7UP, dessen Schriftzeichen hier “7 Happy” bedeuten. Westliche Hersteller benötigen ein bisschen Kreativität, um in China populär zu sein, denn mit einer bloßen lautmalerischen Umsetzung des Namens in chinesische Schriftzeichen ist es nicht getan. Der Legende nach hatte es Coca Cola vor einigen Jahren auf die einfache Tour versucht, doch der Name bedeutete irgendetwas mit Kaulquappe. Heute nennt sich das Getränk “kě kǒu kě lè”, was fast so klingt, aber “möge der Mund sich freuen” heißt. Ein Abstecher in’s Wörterbuch verrät uns, dass auch andere Marken einen wohlklingenderen Namen für sich erdacht haben: BMW nennt sich z.B. “bǎo mǎ” (wertvolles Pferd).
So, das waren die Sachgeschichten. Deshalb hier noch ein Foto zum schmunzeln:
Jing An Tempel
Woran es auch immer liegen mag, seit ein paar Tagen ist es auf den Straßen plötzlich doppelt so voll. Die Fahrradfahrerhorden sind erst recht nicht mehr hinter der Haltelinie zu bändigen, so dass nun statt Verkehrshelfern am Bordstein auch waschechte Polizisten eingesetzt werden. Nur sie schaffen es, den Busfahrern ihr Recht zu bewahren, trotz Rot einfach weiterhin hupend über die Kreuzung zu brettern. Nur selten erlahmt der Verkehr komplett für wenige Sekunden. Doch es kommt schnell wieder Bewegung in die Sache.
Die Menschen hier sind es einfach gewohnt, sich irgendwie durchzuwuseln. Sie haben den 6. Sinn, der es ihnen ermöglicht um Haaresbreite durch Lücken zu drängeln, ganz egal ob sie Roller, PKW oder Bus sind. Gut, die Roller haben manchmal das Nachsehen, aber es gibt nichts, was ein paar Lagen Tesafilm nicht beheben könnten. (Und es gibt kaum einen Roller, der nicht schon beängstigend großflächig mit Klebeband repariert wurde!)
Dennoch muss ein Ausweg her. Zuflucht findet der gestresste Großstädter – ja, in einem Massagesalon. Aber ich dachte eher an einem der buddhistischen Tempel, die es hier in Shanghai gibt. Der mir nächste (und ein ziemlich berühmter dazu) ist der Jing An Tempel. Früher bestimmt wie in alten Kung-Fu-Filmen zwischen malerischen Hügeln gelegen (“Temple of Peace and Tranquility”), steht dieser Tempel heute zwischen 3 Baugruben und einer riesigen Mall. Die Mauern mit ihren Löwenstatuen sehen dennoch gewaltig aus. 20 Yuan kostet der Eintritt, und ich habe Glück, nicht inmitten einer Ladung Touristen gelandet zu sein.
Drinnen angelangt verstummt die Großstadt zwar nicht, aber es wird deutlich ruhiger. Eine große Säule steht in der Mitte des quadratischen Platzes, aus zwei Bottichen quillt Weihrauch. Gegenüber führt eine hohe Treppe in den Haupttempel mit einem Saal voller Heiligenstatuen und Gebets- und Opfermöglichkeiten. Eine Handvoll Westler ruht sich auf Stufen aus, eine Handvoll Chinesen kniet sich vor Schreinen hin oder verbeugt sich mit Weihrauchstäbchen in alle 4 Himmelsrichtungen. Die Stäbchen gibt es für einen kleinen Obolus am Eingang und wer es Ernst meint, kauft gleich ein ganzes Büschel. Ich halte meine pyromanische Ader in Zaum, denn ich kenne die Zeremonie aus Vor’s-Gesicht-Halten und In-4-Richtungen-Verneigen nicht und möchte keinesfalls den Zorn von Dämonen auf mich ziehen.
Die Säule in der Mitte des Platzes ist da schon einfacher. Sie dient als eine Art Tempelsparschwein Klingelbeutel im Großformat. Ein Münze in eine der Öffnungen zu werfen sieht einfacher aus als es ist, doch ich versuche mein Glück. Beim 5. Mal (die ersten 4 zählen beim Glücksgott hoffentlich nicht) schaffe ich es, und mein Yuan klimpert in den großen Bronzebottich. Spenden macht Spaß! Das sollte man mal unserem Herrn Papst vorschlagen.
Mein Besuch ist zu Ende, und ich wandere noch einmal außen um die Tempelmauern. Es ist ein seltsames Verhältnis zwischen Moderne und Tradition, das sich hier widerspiegelt, denn während an der Nordseite mehrere Juwelierläden in die Mauern eingelassen sind, gibt es auf der Südseite nicht nur ein Kaufhaus, das sich sehen lassen kann, nein, es gibt auch Hello Kitty Schmink- und Fotoboutiquen. Die kleinen Zelte sehen aus wie die römische Armee, die das Dorf von Asterix und Obelix umringt hat. Ich frage mich, ob den Chinesen das nicht selbst etwas krank vorkommt, oder ob sie es einfach ganz anders interpretieren. Aus einer Wirtschaftswunderposition heraus nämlich, wo man sich solche Fragen einfach noch nicht stellt…

Straßenküche
Ein Spaziergang in Richtung der Altstadt führt mich zuerst in die Nanjing West Road, dem bislang touristischsten Teil von Shanghai, den ich besucht habe. Die schön gepflasterte Einkaufsmeile ist voller westlicher Läden, aus denen einem Singing in the Rain oder Britney Spears entgegen plärrt, alle fünf Meter weicht man entweder einem dicken Touristen mit Kamera aus oder einem der fliegenden Fake-Rolexverkäufer. Disneyland pur. Es ist schlichtweg grauenhaft.
Also nichts wie rein in die nächste Seitenstraße. Ah, kleine Lebensmittel- und Eisenwarenläden, staubige Luft plus der subtile Geruch von Abwasser. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal bevorzuge, und schon gar nicht nach lediglich 2 Wochen. Ein paar Ecken weiter stehe ich plötzlich wieder in Menschenmassen, hier jedoch größtenteils chinesische Touristen. Und dann diese Straßenküche.
Erst gehe ich vorbei, doch dann denke ich was soll’s und stelle mich erstmal abseits hin, um die Einheimischen zu beobachten. Wie funktioniert die Auswahl, wieviel Yuan legt er hin? Denn ich kann mir vorstellen, mich hier wieder nur mit Händen und Füßen verständigen zu können. Als ich dran bin reicht allerdings das bereits eingeübte “yi gè” und ein Fingerzeig auf die gewünschte Nudelsorte und die Show beginnt. Schwuppdiwupp ist der Wok hinter dem Wagen in irgendeinem dubiosen Wassereimer ausgewaschen, kurz erhitzt, Öl rein, Sojasoße, Chili, Sojasprossen, irgendein Kohl und die Nudeln. Für 5 Yuan (50 cent) bekomme ich eine Riesenportion mit Stäbchen in einer kleinen Styroporschachtel und freue mich über die besten Nudeln, die ich hier jemals hatte. Kein knorpeliges Fleisch, kein stinkender Tofu. So, wie es der westliche Magen mag.
Trademarks
So langsam wird mein Blog zum Fotoalbum. Nach 2 Wochen in Shanghai habe ich mich bereits so gut eingelebt, dass mir Texte, die ich vor ein paar Tagen noch aufgeregt notiert hatte, um sie bei Gelegenheit in’s Blog zu stellen, schon wie kalter Kaffee vorkommen. Also Fotos! Die sind immer gut
China ist gemeinhin bekannt als Markenkopierer. Der Weg, den das Logo von Lacoste zu Cliocoddle unternommen hat, erinnert ein bisschen an Flüsterpost (man stelle sich einen Chinesen vor, der “crocodile” ausspricht).
Aber natürlich ist nicht alles kopiert. Die Vorliebe für den guten deutschen Umlaut kann man ihnen nicht verübeln, wenn man bedenkt, wieviele chinesische Schriftzeichen bei uns als Gestaltungselement oder Tattoo verwurstet werden…
Womit wir bei der dritten Kategorie an Markennamen wären: Niedliche Rechtschreibfehler. Oder Absicht? Man wird es nie erfahren… Die meisten englischen Texte, die einem auf Schildern oder Flyern begegnen, sind hier allerdings ziemlich gut. Die Extremform, Chinglish, ist mir hier in Shanghai bislang nicht untergekommen.
Hupen im Straßenverkehr
Chinesische Autofahrer hupen viel, aber anders als wir. Sie denken für andere Verkehrsteilnehmer mit und hupen vorausschauend. So wird z.B. gehupt wenn der Fahrer das Gefühl hat, ein Fahrrad vor ihm würde gleich bei einem parkenden Auto ausscheren oder der Vater, der sein Kind auf dem Dreirad am rechten Straßenrand schiebt sollte wissen, dass man gleich an ihm vorbei schneidet. Niemand hupt an einer Kreuzung, wenn er aufgehalten wird, weil die 2 Dutzend quer verkehrenden Radfahrer bereits 5 Sekunden vor grün bis zur Mitte der Straße vor gequollen sind. Nur ein Verkehrshelfer in gelber Veste trillert manchmal die Bande zurück hinter die Wartelinie.
Dafür sind andere, den gemeinen Fußgänger schützenden Regeln quasi nicht existent: weder beim links- noch beim rechtsabbiegen wird auf schwächere Rücksicht genommen. Die Autos brettern zwar nicht über die Zebrastreifen, aber sie schieben sich gnadenlos durch den Fußgängerstrom, der auch bereitwillig wartet.
Chinesisch Essen 3
Natürlich gibt es auch McDonalds in China, genauso wie dutzende KFCs und Starbucks. Obwohl die Auswahl an chinesischen, vietnamesischen oder thailändischen Schnellrestaurants groß ist, kann man als Westler natürlich nicht widerstehen, auch mal den hiesigen Mäckie auszuprobieren.
Die Karte ist touristenfreundlich zum draufzeigen vorhanden. Mein Kollege nimmt ein Burgermenü, ich den McChicken. Er hat mehr Glück. Der McChicken ist nämlich im Gegensatz zum Hackfleisch anders als in Deutschland. Er sieht auf den ersten Blick aus wie ein Stück Hühnerbrust, doch eine glibberige Schwarte ist mit dran. Schmecken tut er auch anders, und das nichtmal schlecht. Mehr Sojasoße, weniger Mayo, aber einmal reicht mir.
Zum heutigen Mittagessen ist also eine Alternative angesagt. Direkt neben dem McDonalds gibt es eine kleine Küche für Dumplings und Suppen mit Überraschungsfleischeinlage. Während ich noch am Überlegen bin, ob ich mir das antun soll – schließlich gibt es hier keine verständlichen Buchstaben weit und breit – bemerke ich, dass eine großgewachsene Chinesin im schicken Businesskostüm 2 Nudelsuppen bestellt. So schlimm kann die Location also nicht sein. Ich stelle mich an (d.h. ich lungere irgendwie vor den Dumplingkörben herum) und warte. Die Brühe, die sich die Chinesin in Plastikbecher schütten lässt, sieht ein bisschen undefiniert aus. Ich überlege, ob ich Suppe oder Dumplings will. Der Koch bemerkt mich, und nimmt mir die Entscheidung ab.
Er zeigt auf die Dumplingkörbchen, ich nicke, strecke den Zeigefinger hoch und sage “yi gè” (“ein Stück”). Zahl + “gè” ist hier die Standardzählweise, und sehr nützlich wenn man die dutzenden verschiedenen Zählwörter für runde, flache, große oder kleine Dinge nicht kennt. Der Apostroph zeigt einen abfallenden Ton an, so dass sich gè eigentlich eher wie ein “gu” anhört, das einem im Rachen stecken bleibt.
Zumindest die Geste wurde verstanden und der Dumplingkoch schiebt einen Korb Maultaschen über das brodelnde Wasser. Dann fragt er mich noch etwas, und ich verstehe natürlich gar nix. “To go or to eat here” schallt es mir plötzlich von links entgegen. Die große Chinesin übersetzt für mich mit einem Lächeln, und ich lächle zurück. To go. “Seven yuan” sagt sie mir noch und packt ihre Nudelsuppen ein. “Xiè xiè” bedanke ich mich, sie grinst und schon wird meine hilfreiche Fee vom Fußgängerstrom davongetragen.
xièxie – Dankeschön
[gesprochen: che che, das ch wie in "ich" mit einem Tick vom scharfen S]
xièxiè – der Durchfall
[gesprochen: che che, das ch wie in "ich" mit einem Tick vom scharfen S]
Shanghai Photos 2
Fotos aus unserem Büro und von einem kleinen Wohnblock in der Nähe, der noch nicht durch Hochhäuser ersetzt wurde.
Wie das dann aussieht, wenn Hochhäuser hochgezogen werden, zeigen die folgenden beiden Panoramen. Eigentlich bräuchte es einer kompletten 360 Grad-Ansicht, um das Gefühl wiederzugeben, das man als kleiner westlicher Tourist in diesem Betondschungel bekommt.
Es ist eben eine ganz andere Art der Stadtplanung, und was in Deutschland eine Bausünde in Beton wäre, ist hier blanker Fortschritt. Ich komme mir, wie vor ein paar Tagen schon gesagt, nicht so eingeengt vor, wie in den Straßenschluchten Manhattens. Nichtmal das Wort Moloch würde ich verwenden wollen, auch wenn die letzten Tage ein nebliger, staubiger Smog die Sicht etwas trübt. Gut dass die Shanghainesen sich Elektromotoren an alles schrauben, was auf 2 Rädern rollt. Schade, dass sie sich dadurch Nachts in lautlose Fußgängerfallen verwandeln, und Licht anzuschalten würde ja sowieso nur die Reichweite mindern. Auch die meisten Busse haben übrigens saubere Oberleitungen.












