Am g’schenkten Gaul…
…schaugt ma ned in’s Maul. Aber die bisherigen “Geschenke” von Apple’s iTunes-Weihnachtsaktion wären auch keinen Pfifferling wert. Da lacht sich Steve im Himmel in’s Fäustchen.
- Coldplay Live-Songs, die so schlecht abgemischt sind, dass auch das dazugehörige Video mit einem extrem schweißüberströmten Frontman sofort wieder in die Tonne wandert.
- Die SCHLÜMPFE!?!
- Ein e-book von den Drei Fragezeichen. Ich weiß, alle Hipster Mitte 30 kriegen eine Nostalgie-Latte durch die Stimme von Justus Jonas, aber das hier ist ja nichtmal das Audiobook. Lame.
- Eine B-Side von Tim Bendzko die niemand braucht und das low-budget Musikvideo von seinem bekannten Hit “Nur noch kurz die Welt retten”, das nichts weiter zeigt als die Band mit ner Kamerafahrt drumrum. Boring.
- Ein Rennspiel von Sega mit Sonic. Die Steuerung ist grauenhaft und nach 2 Minuten Spielzeit wechsle ich zurück zu “Jetpack Joyride” und das Geschenk kommt in die Tonne.
- Ein nerviger Techno-Megamix von David Guetta. Wer’s braucht. Ich bin älter als 16, also auch ab in die Tonne damit.
Mal sehen, was uns die nächsten 6 Tage bringen…
LiebeLiebeLiebelei
Alle Firmen lieben jetzt etwas. Grausam.
McDonalds fing an: I’m loving it.
Edeka hinterher. “Wir lieben Lebensmittel.” Großartig, ihr solltet lieber euren Kassiererinnen gescheite Löhne zahlen. Und hört auf mit dem anbiedernden “Wir”. Ihr seid keine Web-2.0-Firma.
Pro7 seit einer gefühlten Ewigkeit: “We love to entertain you”, und auf Tele5 heißt es: “Steven liebt Kino”.
Und der neuste im Bunde: Bayern 3 Antenne Bayern – “Wir lieben Bayern. Wir lieben Musik.” Nein, tut ihr nicht. Ihr vergewaltigt Musik, eure “aktuellen” Hits sind seit 3 Monaten die selben totgenudelten Songs, die auf allen Pop-Radiosendern laufen.
Ich kann es nicht mehr hören :-/
Inception
In other news, I had this weird dream in which Mick Jagger broke into my house to reclaim a painting that I had previously stolen from him. Upon catching him in the act he asked me to do some VFX shots for the movie version of his heist which would have required a CGI replacement of his head except for his lower jaw which was to be shot in front of greenscreen.
I have difficulties piecing together the images that were mashed up by my subconciousness, but this awesome dialogue reminiscent of Clients From Hell probably played some part in it:
And if one day Mick Jagger is in a movie like this remember: you’ve read about the plot here first
Fazit
So, das Shanghai-Tagebuch wird zugeklappt. Soll ich nun also ein Fazit ziehen? Gar ein Urteil über China abgeben?
Eigentlich muss der geneigte Leser schon selbst hinfahren. Klar ist, dass ich mit Shanghai nur einen nichtrepresentativen Teil Chinas kennengelernt habe, einen sehr westlichen. Selbst in Peking geht es – Kollegen zu Folge – bereits ganz anders zu. Und selbst Shanghai hat sich so enorm verändert in den letzten Jahren, dass einer Ex-Shanghainesin ihre Geburtsstadt fremd vorkam, als sie die Fotos in meinem Blog gesehen hat, besonders die von Pudong.
Man überprüft eine Menge Klischees und Dogmen mit denen man als Westler sein leben lang “indoktriniert” wurde. Die Chinaberichterstattung und deutschen Medien erscheint minderwertig. Zeig ein paar Bilder von der chinesischen Mauer, von einem Parteikongress und von einer bedrohlichen Militärparade, fertig ist das Urteil. Die neue rote Gefahr. Natürlich funktioniert das hier in China andersrum genauso. Auslandsnews sind ein Handshake von Obama, ein Glatteis-Unfall von Air Berlin, und etwas über den Klimagipfel, in dem bestimmt die chinesische Herangehensweise als große Lösung verkauft wurde (so wie bei uns eben immer die Welt am deutschen Vorschlag genesen soll).
Die Vorstellung, nur in einer demokratischen Gesellschaft sei Wirtschaftswachstum und Fortschritt möglich, entpuppt sich in China als falsch. Ein amerikanischer Kollege reibt sich die Augen, er fühlt sich in Shanghai freier als in L.A., wo ständig Polizei- und Militärhubschrauber über ihm kreisen. Natürlich sehe ich als westlicher Tourist nur einen Ausschnitt. Man steht auf der “guten” Seite, das eigene Haus wird nicht wegen eines Wolkenkratzers abgerissen, das eigene Geld reicht fünfmal so weit wie daheim bzw. das der meisten Chinesen in meiner Position, bei diesem Statusgewinn kann man schnell dekandent werden. Negative Seiten von denen ich nichts sehe? Bitteschön: Hier und hier.
Das schönste an ein paar Monaten in Shanghai ist wohl das Gefühl, wie es sich in Deutschland zu Wirtschaftswunderzeiten gelebt haben mag. Gestern hatte man nix, heute gibt es alles. Und man kann es sich auch zunehmend leisten. Altes wird abgerissen, Betonklötze hingestellt (und wie bei uns wir man in 20-30 Jahren vieles davon als Bausünde sehen, was heute eben noch modern ist, und froh auf das restaurierte Alte sein). Und auch Umweltbewusstsein setzt sich durch, schließlich gibt es nun eine gutsituierte Mittelschicht, die nun auch Bock auf saubere Luft und Grünflächen hat.
Aber politisch soll mein Reisebericht nicht enden. Ich schließe lieber mit ein paar Panoramafotos aus den vergangenen Monaten!







habi?
Heute ging’s auf nen Absacker in eine Eckkneipe hinter’m Büro, die von 3 Mädels geführt wird, und die es charmant verstehen, die Gäste abzufüllen ohne selber mit trinken zu müssen.
Heute schallt – vielleicht zur Feier unseres Eintreffens? – nerviger Eurotechno aus den Boxen. Chinesen sind unkonventionell, was Musikauswahl für Geschäfte und Friseursalons angeht. Aber immerhin ist es nicht “The Rose” von Bette Midler oder Scarborough Fair. Beides habe ich hier in 4 Wochen öfters gehört als in meinem ganzen Leben zuvor, denn diese beiden Evergreens werden von den rollenden CD-Raubkopie-Händlern auf voller Lautstärke hoch und runter gedudelt. Wenn man den englischen Text nicht beachtet, plätschern beide Lieder aber tatsächlich genauso vor sich hin wie die Chinarestaurant-Musik bei uns in Deutschland. Das kann kein Zufall sein…
Zurück in die Bar! Nach dem ersten Pitscher Bier tauchen nämlich nebenan zwei jugendliche Chinesen Mitte 20 auf, und plötzlich merke ich, dass meine zwei Kollegen und ich im Rampenlicht zu stehen scheinen. Die Chinesen reden uns plötzlich auf chinesisch an, und ebenso schnell ist klargestellt, dass wir kein Wort verstehen sowie sie dafür kein Englisch können. Erst die Bartenderin schafft Klarheit: wir sähen wie Filmstars aus. Und ich wie Beckham. Das Kompliment muss erstmal sacken.
Es kommt von einem Kerl Mitte 20 mit schwarzer Bruce-Lee-Mähne und einem Erkan-und-Stefan Schnauzbart. Er mag scheinbar meinen Kurzhaarschnitt – wie ein Kung-Fu-Kämpfer sähe das aus – und den Vollbart meines griechischen Kollegen. Wir geben hier wahrlich großartige Ausländerklischees ab.
Wie dem auch sei… er macht eine Fotogeste und reicht erstmal seine Visitenkarte rüber, die ich kulturell angemessen mit beiden Händen und überschwänglicher Dankbarkeit in Empfang nehme. Fotograf ist er. Ich versuche drumrum zu kommen, meine Visitenkarte herauszurücken (es ist sowieso eine deutsche), aber nachdem mein Kollege seine hergibt, kann ich meine nicht zurückhalten. Unser Gegenüber macht die Telefongeste aus Daumen und kleinem Finger und ich habe wohl soeben einem Fotoshooting eingewilligt. Ich hoffe er ruft mich nicht an (fürchte aber, es wird so kommen).
Mit ein paar Bier und Zigaretten (ich lehne letzteres dankend ab) als internationales Völkerverständigungsmittel ist schnell eine Kommunikation aufgebaut. Alles was nicht nach 1 Minute wildem Herumgefuchtel verständlich gemacht werden kann übersetzt uns die eilig herbei gerufene Kellnerin. Zuerst lernen wir, aus welchen Ländern wir kommen:
dé guó – Deutschland (quasi: D-Land)
xi là – Griechenland
Das restliche Vokabular sitzt bei mir bereits:
gān bēi – cheers (wörtlich “leeres Glas”, also ist nicht Nippen angesagt, sondern “hau wech!”)
zài jiàn – Auf Wiedersehen [gesprochen: dsai dschiä]
Neu erlerne ich:
bù yào – nein danke
“habi?” fragt mich der Fotograf? Wir einigen wir uns darauf, dass er damit “happy” meint, die Kellnerin übersetzt im Vorbeigehen, dass unser Trinkkumpane es toll findet mit uns anzustoßen und PROST! eine neue Runde ist eingeschenkt.
Das weitere Gespräch beschränkt sich auf die abenteuerlichen Versuche, uns gegenseitig die Zahlen bis 10 beizubringen. Ich hab sie eigentlich schon seit Wochen gepaukt – bis auf die verflixte neun, die ich einfach immer vergesse. Doch unser Gegenüber nuschelt entweder nach den ganzen Bier oder er spricht Shanghainesisch statt Mandarin.
i – er – san – se – oh – liu – dschi – ba – (mist) – se
one – two – dree – fooo – eif – six – seben – eigh – nein – tenn
So radebrechen wir uns die Zahlen durch, die wir auf einem Zettel notieren. Den Tonfall malt der Chinese mit dem Zeigefinger in die Luft. Ich schaffe den Unterschied von 4 und 10 und PROST! wird angestoßen und ich ernte einen erhobenen Daumen.
Nach ein paar weiteren “Gan Bei” und einer Schüssel Erdnüssen ist der Abend zu Ende. Wir verabschieden uns, und gehen unsere eigenen Wege. Aber nicht, ohne uns zuvor wieder zu verabreden in die ominöse Eckkneipe. Als Erkennungszeichen wird ein Anruf dienen, bei dem mir ein Chinese die Zahlen von 1 bis 10 auf unverständlichem Englisch aufzählen wird…
Die dubiose Ecke
Heute ging es mit der gesamten Belegschaft zu “Großmutters Restaurant”, mal wieder traditionell speisen. Ein Drehteller steht auf dem Tisch, und unsere chinesische Office-Dame bestellt einmal quer durch die Speisekarte. Grüne Bohnen in Wasabisoße, Tofu süß-sauer, Curry-Fischsuppe, Erdnüsse in Sojasoße, Fleischscheibchen mit Chilis, und so weiter und so fort. Highlight des Abends: die Ganze Hühnersuppe, die ihrem Namen alle Ehre macht. Ich passe, und die meisten chinesischen Kollegen ebenfalls.
Für den Rückweg zum Hotel möchte ich ein Taxi nehmen, merke dass ich in einer mehrspurigen Einbahnstraße in die falsche Richtung stehe, und entscheide mich für den Fußmarsch durch Seitenstraßen. Die Entscheidung überdenke ich bereits nach ein paar Metern, denn die wenig beleuchtete Seitenstraße erzeugt zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Shanghai ein mulmiges Gefühl in mir. Doch noch gibt es hier genügend kleine Läden, in denen noch Betrieb herrscht. Vor einem Eisenwarenhandel schweissen ein paar Leute an einem Taxi herum.
An der nächsten Kreuzung, einem kleinen Platz, der mit Open-Air-Grills noch richtig belebt ist, müsste ich links ab – doch hier greift nun endgültig mein Fluchtreflex. Die Gasse ist pechschwarz.
Also laufe ich weiter geradeaus, und auch hier bin ich bald alleine unterwegs. Ein Müllhaufen türmt sich an einer Mauer auf. Die Dächer der anliegenden niedrigen Häuser sind voller Gerümpel und Gerüste. In einer Behausung, die man nur als Verschlag bezeichnen kann, läuft ein alter Fernseher, der seinem einzigen Zuschauer das Bild beinahe vollständig durch heftiges Rauschen vorenthält. Ich biege um eine Ecke in die nächste größere Straße, die mich – wenn mich die Orientierung nicht täuscht – wieder eher Richtung Hotel bringen wird.
Hier laufe ich plötzlich neben adretten Mauern, an einem Tor zu irgendeiner Akademie stehen sogar Soldaten Wache. Dennoch sind meine Schritte bestimmter und hastiger. Noch eine weitere Straßenecke, und ich bin wieder in bekanntem Terrain, in der Nähe von Büro und Hotel. Hier sind noch Gemüseläden hell beleuchtet, und Mütter kaufen mit ihrem Kind auf dem Arm um Mitternacht noch Grünzeug ein.
Rückblickend war mein mulmiges Gefühl wohl übertrieben. Zig Taxis kamen mir auf meinem Weg entgegen, und alle Passanten waren eher Pärchen auf dem Heimweg. Ich habe zu viele Filme geguckt, und schon verselbständigen sich die ewig gleichen Bilder von Seitengassen, in denen das Böse lauert… Ich glaube nicht, dass man Grund hat, sich in Shanghai unsicher zu fühlen. Sagt zumindest der Lonely Planet. Und der muss doch Recht haben
It was Earth all along
Neulich nahm ich einen frühen Zug. So richtig früh (für Medienfreelancer). Also kurz nach 7.
Der erste Schock erwartet mich am Bahnsteig. Er ist voll. Sogar voller, als ich es von tagsüber gewohnt bin. Oder von der “anderen” Rush Hour um neun. Eine seltsame Zeremonie ist es, die ich erlebe. Ohne dass es einer Absprache bedurfte tauchen aus allen Richtungen immer mehr Aktentaschenträger auf und nehmen den durch unsichtbare Barrieren genormten Stehabstand zu ihren Nachbarn ein.

Das Gefühl, das mich beschleicht, erinnert mich an ähnliche Szenen der Cinematographie, in denen Menschen in einer sektenhaften Dynamik einem gemeinsamen Ziel folgen, das sich dem Protagonisten und Outsider verschließt: Charlton Heston wird Zeuge der Soylent-Green-Fabrik. Tom Cruise einer Orgie in Eyes Wide Shut. Orwell’s Bürger auf dem Weg zu Big Brothers 5-Minuten-Videoshow. Indiana Jones beobachtet den Shamanen im Tempel des Todes.
Und ich mittendrin. Die Menschenmenge schiebt sich und mich still vorwärts, einmal um’s Lagerfeuer, dann dem Vulkanrand endgegen. Hier gelten andere Regeln.
“Halt! Merkt ihr nicht, was hier passiert?!” rufe ich, als immer mehr U-Bahn-Fahrgäste den Wagon betreten und sich mit einer Vehemenz, die man tagsüber nur selten beobachtet, die letzten Sitzplätze krallen.
Unterdrücktes Hüsteln. Der Geruch von Leberkäsesemmeln in der Luft. Schweigen ist Silber, Reden ist Tod.
“Ihr seid doch bloß Teil einer Maschine! Ihr müsst ausbrechen!”
Zeitungsrascheln. Windowslaptop-Startsounds. Ich-dich-auch-mein-Schatz-Floskeln in Handies gehaucht.
Wie der Reisende im Film “Die Zeitmaschine” fühle ich mich: laut fuchtelnd und dennoch ignoriert muss dieser zusehen, wie eine Frau zu ertrinken droht, ohne dass ihre apatischen Zeitgenossen zur Hilfe eilen. Man sieht durch mich hindurch. Mensch auf dem Planet der Affen.

“Ihr Bastarde. Was habt ihr nur getan! Ihr….”
“Guten morgen, die Fahrausweise bitte.”
“…”
Ich komme zu mir, den Geschmack von Leberkäse im Mund, einen Senffleck auf dem Pullover.
Ich reiche der Dame meine Bahncard. Im Lautsprecher empfielt jemand wahllos Produkte aus dem ICE-Frühstücksangebot. Dörfer huschen vorbei. Ich huste kurz und durchschneide die Stille, was mir augenblicklich peinlich ist. Leise widme ich mich einer SMS. “ich dich auch mein schatz!lg”
Ich gähne. Na dann mal auf in’s Bordbistro. Der Kaffee ruft.

