Jing An Tempel
Woran es auch immer liegen mag, seit ein paar Tagen ist es auf den Straßen plötzlich doppelt so voll. Die Fahrradfahrerhorden sind erst recht nicht mehr hinter der Haltelinie zu bändigen, so dass nun statt Verkehrshelfern am Bordstein auch waschechte Polizisten eingesetzt werden. Nur sie schaffen es, den Busfahrern ihr Recht zu bewahren, trotz Rot einfach weiterhin hupend über die Kreuzung zu brettern. Nur selten erlahmt der Verkehr komplett für wenige Sekunden. Doch es kommt schnell wieder Bewegung in die Sache.
Die Menschen hier sind es einfach gewohnt, sich irgendwie durchzuwuseln. Sie haben den 6. Sinn, der es ihnen ermöglicht um Haaresbreite durch Lücken zu drängeln, ganz egal ob sie Roller, PKW oder Bus sind. Gut, die Roller haben manchmal das Nachsehen, aber es gibt nichts, was ein paar Lagen Tesafilm nicht beheben könnten. (Und es gibt kaum einen Roller, der nicht schon beängstigend großflächig mit Klebeband repariert wurde!)
Dennoch muss ein Ausweg her. Zuflucht findet der gestresste Großstädter – ja, in einem Massagesalon. Aber ich dachte eher an einem der buddhistischen Tempel, die es hier in Shanghai gibt. Der mir nächste (und ein ziemlich berühmter dazu) ist der Jing An Tempel. Früher bestimmt wie in alten Kung-Fu-Filmen zwischen malerischen Hügeln gelegen (“Temple of Peace and Tranquility”), steht dieser Tempel heute zwischen 3 Baugruben und einer riesigen Mall. Die Mauern mit ihren Löwenstatuen sehen dennoch gewaltig aus. 20 Yuan kostet der Eintritt, und ich habe Glück, nicht inmitten einer Ladung Touristen gelandet zu sein.
Drinnen angelangt verstummt die Großstadt zwar nicht, aber es wird deutlich ruhiger. Eine große Säule steht in der Mitte des quadratischen Platzes, aus zwei Bottichen quillt Weihrauch. Gegenüber führt eine hohe Treppe in den Haupttempel mit einem Saal voller Heiligenstatuen und Gebets- und Opfermöglichkeiten. Eine Handvoll Westler ruht sich auf Stufen aus, eine Handvoll Chinesen kniet sich vor Schreinen hin oder verbeugt sich mit Weihrauchstäbchen in alle 4 Himmelsrichtungen. Die Stäbchen gibt es für einen kleinen Obolus am Eingang und wer es Ernst meint, kauft gleich ein ganzes Büschel. Ich halte meine pyromanische Ader in Zaum, denn ich kenne die Zeremonie aus Vor’s-Gesicht-Halten und In-4-Richtungen-Verneigen nicht und möchte keinesfalls den Zorn von Dämonen auf mich ziehen.
Die Säule in der Mitte des Platzes ist da schon einfacher. Sie dient als eine Art Tempelsparschwein Klingelbeutel im Großformat. Ein Münze in eine der Öffnungen zu werfen sieht einfacher aus als es ist, doch ich versuche mein Glück. Beim 5. Mal (die ersten 4 zählen beim Glücksgott hoffentlich nicht) schaffe ich es, und mein Yuan klimpert in den großen Bronzebottich. Spenden macht Spaß! Das sollte man mal unserem Herrn Papst vorschlagen.
Mein Besuch ist zu Ende, und ich wandere noch einmal außen um die Tempelmauern. Es ist ein seltsames Verhältnis zwischen Moderne und Tradition, das sich hier widerspiegelt, denn während an der Nordseite mehrere Juwelierläden in die Mauern eingelassen sind, gibt es auf der Südseite nicht nur ein Kaufhaus, das sich sehen lassen kann, nein, es gibt auch Hello Kitty Schmink- und Fotoboutiquen. Die kleinen Zelte sehen aus wie die römische Armee, die das Dorf von Asterix und Obelix umringt hat. Ich frage mich, ob den Chinesen das nicht selbst etwas krank vorkommt, oder ob sie es einfach ganz anders interpretieren. Aus einer Wirtschaftswunderposition heraus nämlich, wo man sich solche Fragen einfach noch nicht stellt…

Straßenküche
Ein Spaziergang in Richtung der Altstadt führt mich zuerst in die Nanjing West Road, dem bislang touristischsten Teil von Shanghai, den ich besucht habe. Die schön gepflasterte Einkaufsmeile ist voller westlicher Läden, aus denen einem Singing in the Rain oder Britney Spears entgegen plärrt, alle fünf Meter weicht man entweder einem dicken Touristen mit Kamera aus oder einem der fliegenden Fake-Rolexverkäufer. Disneyland pur. Es ist schlichtweg grauenhaft.
Also nichts wie rein in die nächste Seitenstraße. Ah, kleine Lebensmittel- und Eisenwarenläden, staubige Luft plus der subtile Geruch von Abwasser. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal bevorzuge, und schon gar nicht nach lediglich 2 Wochen. Ein paar Ecken weiter stehe ich plötzlich wieder in Menschenmassen, hier jedoch größtenteils chinesische Touristen. Und dann diese Straßenküche.
Erst gehe ich vorbei, doch dann denke ich was soll’s und stelle mich erstmal abseits hin, um die Einheimischen zu beobachten. Wie funktioniert die Auswahl, wieviel Yuan legt er hin? Denn ich kann mir vorstellen, mich hier wieder nur mit Händen und Füßen verständigen zu können. Als ich dran bin reicht allerdings das bereits eingeübte “yi gè” und ein Fingerzeig auf die gewünschte Nudelsorte und die Show beginnt. Schwuppdiwupp ist der Wok hinter dem Wagen in irgendeinem dubiosen Wassereimer ausgewaschen, kurz erhitzt, Öl rein, Sojasoße, Chili, Sojasprossen, irgendein Kohl und die Nudeln. Für 5 Yuan (50 cent) bekomme ich eine Riesenportion mit Stäbchen in einer kleinen Styroporschachtel und freue mich über die besten Nudeln, die ich hier jemals hatte. Kein knorpeliges Fleisch, kein stinkender Tofu. So, wie es der westliche Magen mag.
Trademarks
So langsam wird mein Blog zum Fotoalbum. Nach 2 Wochen in Shanghai habe ich mich bereits so gut eingelebt, dass mir Texte, die ich vor ein paar Tagen noch aufgeregt notiert hatte, um sie bei Gelegenheit in’s Blog zu stellen, schon wie kalter Kaffee vorkommen. Also Fotos! Die sind immer gut 🙂
China ist gemeinhin bekannt als Markenkopierer. Der Weg, den das Logo von Lacoste zu Cliocoddle unternommen hat, erinnert ein bisschen an Flüsterpost (man stelle sich einen Chinesen vor, der “crocodile” ausspricht).
Aber natürlich ist nicht alles kopiert. Die Vorliebe für den guten deutschen Umlaut kann man ihnen nicht verübeln, wenn man bedenkt, wieviele chinesische Schriftzeichen bei uns als Gestaltungselement oder Tattoo verwurstet werden…
Womit wir bei der dritten Kategorie an Markennamen wären: Niedliche Rechtschreibfehler. Oder Absicht? Man wird es nie erfahren… Die meisten englischen Texte, die einem auf Schildern oder Flyern begegnen, sind hier allerdings ziemlich gut. Die Extremform, Chinglish, ist mir hier in Shanghai bislang nicht untergekommen.
Hupen im Straßenverkehr
Chinesische Autofahrer hupen viel, aber anders als wir. Sie denken für andere Verkehrsteilnehmer mit und hupen vorausschauend. So wird z.B. gehupt wenn der Fahrer das Gefühl hat, ein Fahrrad vor ihm würde gleich bei einem parkenden Auto ausscheren oder der Vater, der sein Kind auf dem Dreirad am rechten Straßenrand schiebt sollte wissen, dass man gleich an ihm vorbei schneidet. Niemand hupt an einer Kreuzung, wenn er aufgehalten wird, weil die 2 Dutzend quer verkehrenden Radfahrer bereits 5 Sekunden vor grün bis zur Mitte der Straße vor gequollen sind. Nur ein Verkehrshelfer in gelber Veste trillert manchmal die Bande zurück hinter die Wartelinie.
Dafür sind andere, den gemeinen Fußgänger schützenden Regeln quasi nicht existent: weder beim links- noch beim rechtsabbiegen wird auf schwächere Rücksicht genommen. Die Autos brettern zwar nicht über die Zebrastreifen, aber sie schieben sich gnadenlos durch den Fußgängerstrom, der auch bereitwillig wartet.
Chinesisch Essen 3
Natürlich gibt es auch McDonalds in China, genauso wie dutzende KFCs und Starbucks. Obwohl die Auswahl an chinesischen, vietnamesischen oder thailändischen Schnellrestaurants groß ist, kann man als Westler natürlich nicht widerstehen, auch mal den hiesigen Mäckie auszuprobieren.
Die Karte ist touristenfreundlich zum draufzeigen vorhanden. Mein Kollege nimmt ein Burgermenü, ich den McChicken. Er hat mehr Glück. Der McChicken ist nämlich im Gegensatz zum Hackfleisch anders als in Deutschland. Er sieht auf den ersten Blick aus wie ein Stück Hühnerbrust, doch eine glibberige Schwarte ist mit dran. Schmecken tut er auch anders, und das nichtmal schlecht. Mehr Sojasoße, weniger Mayo, aber einmal reicht mir.
Zum heutigen Mittagessen ist also eine Alternative angesagt. Direkt neben dem McDonalds gibt es eine kleine Küche für Dumplings und Suppen mit Überraschungsfleischeinlage. Während ich noch am Überlegen bin, ob ich mir das antun soll – schließlich gibt es hier keine verständlichen Buchstaben weit und breit – bemerke ich, dass eine großgewachsene Chinesin im schicken Businesskostüm 2 Nudelsuppen bestellt. So schlimm kann die Location also nicht sein. Ich stelle mich an (d.h. ich lungere irgendwie vor den Dumplingkörben herum) und warte. Die Brühe, die sich die Chinesin in Plastikbecher schütten lässt, sieht ein bisschen undefiniert aus. Ich überlege, ob ich Suppe oder Dumplings will. Der Koch bemerkt mich, und nimmt mir die Entscheidung ab.
Er zeigt auf die Dumplingkörbchen, ich nicke, strecke den Zeigefinger hoch und sage “yi gè” (“ein Stück”). Zahl + “gè” ist hier die Standardzählweise, und sehr nützlich wenn man die dutzenden verschiedenen Zählwörter für runde, flache, große oder kleine Dinge nicht kennt. Der Apostroph zeigt einen abfallenden Ton an, so dass sich gè eigentlich eher wie ein “gu” anhört, das einem im Rachen stecken bleibt.
Zumindest die Geste wurde verstanden und der Dumplingkoch schiebt einen Korb Maultaschen über das brodelnde Wasser. Dann fragt er mich noch etwas, und ich verstehe natürlich gar nix. “To go or to eat here” schallt es mir plötzlich von links entgegen. Die große Chinesin übersetzt für mich mit einem Lächeln, und ich lächle zurück. To go. “Seven yuan” sagt sie mir noch und packt ihre Nudelsuppen ein. “Xiè xiè” bedanke ich mich, sie grinst und schon wird meine hilfreiche Fee vom Fußgängerstrom davongetragen.
xièxie – Dankeschön
[gesprochen: che che, das ch wie in “ich” mit einem Tick vom scharfen S]
xièxiè – der Durchfall
[gesprochen: che che, das ch wie in “ich” mit einem Tick vom scharfen S]
iPhone Panorama Stitching
All photos on my travel blog have been shot with a 1st generation iPhone. The picture quality at the original resolution of 1600×1200 is lousy. However, if you scale them down to something tiny like 640×480 it’s actually alright for my purpose: posting them on a blog or sending them by email.
I wondered how difficult it would be to stitch panoramas from those grainy, blurry iPhone photos and those images in my previous post are the result. I used the free open-source toolset Hugin. It’s 0.8 version for Windows is a bit difficult to find, and you need at least that version for the photometric white balance compensation, so here’s a link to a pre-compiled EXE installer.
I’m amazed at how mature the imaging algorithms are, or that those algorithms exist in the first place (and I’m working with digital images on a daily basis :-)). Hugin not only managed to undistort and blend the images perfectly, it also removed the camera’s vignetting and compensated for the difference in exposure. This is an important bit because the iPhone adjusts its shutter speed automatically which is usually a bad thing for panoramas.
The only thing I had to do (apart from clicking two buttons) was entering the camera’s focal length. It’s not included in the EXIF data which is a bit of a disappointment. Maybe Apple wanted to hide it from other smartphone manufacturers? Well, google turns up the required data pretty quickly. The iPhone (2G) has a film-equivalent focal length of 37mm or a field of view of about 50 degrees.
Of course the final panorama doesn’t allow for severe color corrections. The colors are dull (it was an overcast day as well) but you could play around a bit more to create a more vibrant result. Anyway, it’s good enough for me to snap some more in the future for my Shanghai reports. Stay tuned!






